So hatte man sich das nicht vorgestellt“
Die Silvius-Magnago-Akademie gedenkt mit einem Themenabend im Bozner Filmclub des 70. Jahrestags der „Option“
Im Schatten des großen Andreas-Hofer-Gedenkjahres jährt sich am 23. Juni die „Option“ zum 70. Mal. Die Silvius-Magnago-Akademie, Filmclub und Edition Raetia widmen sich auch diesem prägenden Kapitel der Südtiroler Zeitgeschichte und laden am Mittwoch zur Erstvorstellung der Dokumentation „Südtirol: Überlebenskampf zwischen Faschismus und Option“ mit anschließender Podiumsdiskussion.
Die Dokumentation der
Regisseurin Birgit Mosser-Schuöcker, die am Mittwoch erstmals im Filmclub der Öffentlichkeit vorgestellt wird, zeigt die Hintergründe und Nachwirkungen der Option auf, sowohl für die Menschen – „Optanten“ wie „Dableibern“ – als auch für das Land und seine Entwicklung. „Die Option stellte die Südtirolerinnen und Südtiroler vor eine Wahl, die härter nicht sein konnte. Nur wer die ganze Dimension der zehntausendfachen Entscheidung zwischen Volkszugehörigkeit und Heimatverbundenheit erfasst, kann die weitere Geschichte unseres Landes verstehen“, erinnert Elmar Pichler Rolle, Vorsitzender der Silvius-Magnago-Akademie.
Der 23. Juni 1939 nimmt einen besonderen Platz in der Geschichte Südtirols ein. An jenem Tag hat im Geheimen Staatspolizeiamt in Berlin eine Besprechung mit dem Reichsführer-SS Heinrich Himmler über die „Südtiroler Frage“ stattgefunden, bei der sich die deutsche und italienische Seite auf die Grundpfeiler der „Option“ einigten. In drei Etappen sollte die Auswanderung von knapp 200.000 Südtirolerinnen und Südtirolern ins Deutsche Reich erfolgen. „Mit dieser Einigung im Juni 1939 war endgültig klar, dass Deutschland die freundschaftlichen Beziehungen zu Italien nicht für Südtirol opfern wird. Eher wird Südtirol geopfert“, berichtet der renommierte
Zeithistoriker Rolf Steiniger in der neuen Dokumentation.
Bis zum 31. Dezember 1939 hatten sich 86 Prozent der Südtirolerinnen und Südtiroler für die Aufgabe der Heimat entschieden, bis 1943 sind über 75.000 ausgewandert. Nach dem Kriegsende kehrten zwischen 20.000 bis 25.000 Südtirolerinnen und Südtiroler wieder in ihre Heimat zurück. Die Dokumentation veranschaulicht in bewegenden Bildern, dass hinter der politischen Entscheidung zur „Option“ zehntausende Einzelschicksale standen. Familien wurden zerrissen, Aussiedler blieben in der Ferne fremd und Rücksiedler auch wieder in ihrer Heimat. „Eine Lehre aus der ‚Option’ war sicherlich die Rückkehr zur Geschlossenheit. Nur so konnte es gelingen, über den Weg der Autonomie das Überleben und die Weiterentwicklung als Minderheit zu gewährleisten“, erklärt Elmar Pichler Rolle.
Veranstaltungshinweis:
- Mittwoch, 24. Juni 2009, 20:00
- Filmclub Bozen, Dr.-Streiter-Gasse 8
- Eintritt frei
„70 Jahre Option“: Filmvorführung
„SÜDTIROL: ÜBERLEBENSKAMPF ZWISCHEN FASCHISMUS UND OPTION“
(Dokumentation, ORF / RAI Sender Bozen, 2009, 45 Min., Regie: Birgit Mosser-Schuöcker)
Im Anschluss
Podiumsdiskussion mit
Gottfried Solderer (Autor und Verleger),
Martha Stocker (Vizepräsidentin der Region und Historikerin),
Birgit Mosser-Schuöcker (Regisseurin) und den beiden ZeitzeugInnen
Sepp Innerhofer und
Magdalena Lochmann Kofler